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Aichach liegt
nordwestlich von München und nordöstlich von Augsburg im Tal
der Paar an der vielbefahrenen Bundesstraße 300 und kann auf eine
fast l000jährige Geschichte zurückblicken.
Funde aus der Steinzeit (8000 - 1800 v. Chr.), aus der Bronzezeit (um
1200 v.Chr.) und aus der Eisenzeit (ab 1000v. Chr.) sind Beweise für
frühere Besiedlung. Kelten, Römer und Bajuwaren lösten
einander ab. Im späten 11. Jahrhundert (1096) tritt der Name Aichach
erstmalig in einer Urkunde auf, in der die Grafen von Scheyern-Wittelsbach,
Burg und Grundherren des Gebietes, Pate stehen. Und nun bringt jedes Jahrhundert
ein Ereignis, das der Stadt Aichach zu ihrem Aussehen verholfen hat, ihre
Patina verstärkte und einen Rundgang zum geschichtlichen Ereignis
macht. In der Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut Pfalzgraf Otto IV.
sich zu seiner Burg in Oberwittelsbach noch ein Stadtschloß in der
Südwestecke von Aichach. 1180 belehnt Friedrich Barbarossa den Pfalzgrafen
mit dem Herzogtum Bayern. Nach der Ermordung König Philipps von Schwaben
1208 in Bamberg durch Pfalzgraf Otto VIII. von Wittelsbach ließ
sein Vetter Herzog Ludwig 1. der Kehlheimer 1209 die Burg in Oberwittelsbach
zerstören. Die Steine wurden zum Bau der Aichacher Stadtmauer verwendet.
1210 schenkt Ludwig der Kehlheimer die Kirche in Aichach mit ihren Liegenschaften
dem Deutschen Orden, der im Pfarrhof einen Komtur einziehen läßt.
Aichach ist somit die südlichste Komturei des Ordens in deutschen
Landen bis zur Säkularisation 1803. 1347 verleiht Kaiser Ludwig der
Bayer dem Ort Stadtrechte. »so wie München sie besaß«.1393
belagerte Johann von München die Stadt seines Vetters Stephan III.
von Ingolstadt zwar erfolglos, aber doch mit all den furchtbaren Folgen,
wie sie die bayerischen Erbfolgekriege für das Land brachten. 1504
kam Kaiser Maximilian I persönlich nach Aichach um mit 23 Räten
im Rathaus über das erledigte Herzogtum Bayern-Landshut zu beraten.
1634 brannte die Stadt nahezu völlig ab. Der Schwedengeneral Gustav
Horn und die kaiserlichen Generäle Aldringer und Johann von Werth
standen sich um Aichachs willen gegenüber. Die blutige Zeche zahlten
die Bürger der Stadt. 1704 kamen die Engländer, Holländer
und spanische Truppen nach Aichach, und das herzogliche Schloß wurde
ein Opfer des Spanischen Erbfolgekrieges. 1796 nahmen die französischen
Truppen im Gerhauser Anwesen am Stadtplatz Quartier. St. Gyr, Moreau und
sogar der Kosakenführer Rimsky-Korsakoff wohnten daselbst und ließen
die gefürchteten Requisitionszettel ausschreiben. 1812 wurde im Stadtschreiberhaus
Ludwig Steub geboren, der später mit König Otto I. nach Griechenland
kam und durch seine Reiseberichte über Hellas und Tirol, über
Sitten und Bräuche im bayerischen Oberland zum Entdecker der Schönheit
des Alpenlandes wurde. 1875 entstand die Bahnlinie Augsburg-Aichach-Ingolstadt.
1904 -1908 bekam Aichach die große Frauenstrafanstalt. Noch Anfangs
des 19. Jahrhunderts war Aichach eine Uhrmacherstadt und 46 Meister dieses
Gewerbes waren hier ansässig. In Oberwittelsbach stand die Stammburg
des berühmten Geschlechts der Wittelsbacher, die von 1180-1918 in
Bayern ununterbrochen regierten und zwei deutsche Kaiser sowie mehrere
europäische Könige stellten. Während Aichach 1939 rund
4300 Einwohner zählte, wuchs es nach dem Krieg durch den Zuzug zahlreicher
Heimatvertriebener und Flüchtlinge rasch auf 6300 Einwohner an. In
jüngster Zeit wurden 1957 die Grundschule, 1968 ein modernes Kreiskrankenhaus
und die Wittelsbacher Realschule, 1973 die Hauptschule, 1976 das Deutschherren-Gymnasium,
1978 der Landratsamt Neubau und die Umgehungsstraße B 300 fertiggestellt.
Durch die Gebietsreform wurden folgende 16 Gemeinden nach Aichach eingemeindet:
Algertshausen, Ecknach, Edenried, Gallenbach, Griesbeckerzell, Klingen,
Oberberbach, Obermauerbach, Oberwittelsbach, Sulzbach, Untergriesbach.
Untermauerbach, Unterschneitbach, Unterwittelsbach und Walchshofen. Die
Stadt zählt nunmehr 19.320 Einwohner und umfaßt ein Gebiet
von 92 Quadratkilometern. An Sehenswürdigkeiten hat die alte Stadt
an der Paar einiges zu bieten. Von den alten Giebelhäusern am Stadtplatz
und den wuchtigen. mittelalterlichen Toren angefangen bis zu den Kostbarkeiten
in den Aichacher Kirchen und dem reichhaltigen Heimat- und Wittelsbacher
Museum. Einige größere und zahlreiche kleinere Gewerbebetriebe,
rührige Geschäftsleute und behäbige alte Gasthäuser
machen Aichach zu einer beliebten Einkaufs- und attraktiven Kreisstadt.
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