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geschichtlicher Umriss

rechts ein Kupferstich von Merian
aus dem Jahre 1640

Aichach liegt nordwestlich von München und nordöstlich von Augsburg im Tal der Paar an der vielbefahrenen Bundesstraße 300 und kann auf eine fast l000jährige Geschichte zurückblicken.
Funde aus der Steinzeit (8000 - 1800 v. Chr.), aus der Bronzezeit (um 1200 v.Chr.) und aus der Eisenzeit (ab 1000v. Chr.) sind Beweise für frühere Besiedlung. Kelten, Römer und Bajuwaren lösten einander ab. Im späten 11. Jahrhundert (1096) tritt der Name Aichach erstmalig in einer Urkunde auf, in der die Grafen von Scheyern-Wittelsbach, Burg und Grundherren des Gebietes, Pate stehen. Und nun bringt jedes Jahrhundert ein Ereignis, das der Stadt Aichach zu ihrem Aussehen verholfen hat, ihre Patina verstärkte und einen Rundgang zum geschichtlichen Ereignis macht. In der Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut Pfalzgraf Otto IV. sich zu seiner Burg in Oberwittelsbach noch ein Stadtschloß in der Südwestecke von Aichach. 1180 belehnt Friedrich Barbarossa den Pfalzgrafen mit dem Herzogtum Bayern. Nach der Ermordung König Philipps von Schwaben 1208 in Bamberg durch Pfalzgraf Otto VIII. von Wittelsbach ließ sein Vetter Herzog Ludwig 1. der Kehlheimer 1209 die Burg in Oberwittelsbach zerstören. Die Steine wurden zum Bau der Aichacher Stadtmauer verwendet. 1210 schenkt Ludwig der Kehlheimer die Kirche in Aichach mit ihren Liegenschaften dem Deutschen Orden, der im Pfarrhof einen Komtur einziehen läßt. Aichach ist somit die südlichste Komturei des Ordens in deutschen Landen bis zur Säkularisation 1803. 1347 verleiht Kaiser Ludwig der Bayer dem Ort Stadtrechte. »so wie München sie besaß«.1393 belagerte Johann von München die Stadt seines Vetters Stephan III. von Ingolstadt zwar erfolglos, aber doch mit all den furchtbaren Folgen, wie sie die bayerischen Erbfolgekriege für das Land brachten. 1504 kam Kaiser Maximilian I persönlich nach Aichach um mit 23 Räten im Rathaus über das erledigte Herzogtum Bayern-Landshut zu beraten. 1634 brannte die Stadt nahezu völlig ab. Der Schwedengeneral Gustav Horn und die kaiserlichen Generäle Aldringer und Johann von Werth standen sich um Aichachs willen gegenüber. Die blutige Zeche zahlten die Bürger der Stadt. 1704 kamen die Engländer, Holländer und spanische Truppen nach Aichach, und das herzogliche Schloß wurde ein Opfer des Spanischen Erbfolgekrieges. 1796 nahmen die französischen Truppen im Gerhauser Anwesen am Stadtplatz Quartier. St. Gyr, Moreau und sogar der Kosakenführer Rimsky-Korsakoff wohnten daselbst und ließen die gefürchteten Requisitionszettel ausschreiben. 1812 wurde im Stadtschreiberhaus Ludwig Steub geboren, der später mit König Otto I. nach Griechenland kam und durch seine Reiseberichte über Hellas und Tirol, über Sitten und Bräuche im bayerischen Oberland zum Entdecker der Schönheit des Alpenlandes wurde. 1875 entstand die Bahnlinie Augsburg-Aichach-Ingolstadt. 1904 -1908 bekam Aichach die große Frauenstrafanstalt. Noch Anfangs des 19. Jahrhunderts war Aichach eine Uhrmacherstadt und 46 Meister dieses Gewerbes waren hier ansässig. In Oberwittelsbach stand die Stammburg des berühmten Geschlechts der Wittelsbacher, die von 1180-1918 in Bayern ununterbrochen regierten und zwei deutsche Kaiser sowie mehrere europäische Könige stellten. Während Aichach 1939 rund 4300 Einwohner zählte, wuchs es nach dem Krieg durch den Zuzug zahlreicher Heimatvertriebener und Flüchtlinge rasch auf 6300 Einwohner an. In jüngster Zeit wurden 1957 die Grundschule, 1968 ein modernes Kreiskrankenhaus und die Wittelsbacher Realschule, 1973 die Hauptschule, 1976 das Deutschherren-Gymnasium, 1978 der Landratsamt Neubau und die Umgehungsstraße B 300 fertiggestellt. Durch die Gebietsreform wurden folgende 16 Gemeinden nach Aichach eingemeindet: Algertshausen, Ecknach, Edenried, Gallenbach, Griesbeckerzell, Klingen, Oberberbach, Obermauerbach, Oberwittelsbach, Sulzbach, Untergriesbach. Untermauerbach, Unterschneitbach, Unterwittelsbach und Walchshofen. Die Stadt zählt nunmehr 19.320 Einwohner und umfaßt ein Gebiet von 92 Quadratkilometern. An Sehenswürdigkeiten hat die alte Stadt an der Paar einiges zu bieten. Von den alten Giebelhäusern am Stadtplatz und den wuchtigen. mittelalterlichen Toren angefangen bis zu den Kostbarkeiten in den Aichacher Kirchen und dem reichhaltigen Heimat- und Wittelsbacher Museum. Einige größere und zahlreiche kleinere Gewerbebetriebe, rührige Geschäftsleute und behäbige alte Gasthäuser machen Aichach zu einer beliebten Einkaufs- und attraktiven Kreisstadt.